Statement

Kunstmachen bedeutet für uns die sinnfällige Verknüpfung von ästhetischer Präzision, theoretischer Besinnung und politischer Differenzierung. Die dabei entstehenden Bildformen bezeichnen wir als „missing icons“ = bislang fehlende, verdrängte, verschwundene oder ausstehende Bilder, die wirken und andauern. In ihnen bearbeiten wir latente Motive und Vorstellungen, über die gesellschaftlich bedeutsame Konflikte treffend erfahren werden können. Als raumbezogene Reliefs, Schwellen und Passagen changieren sie zwischen Dimensionen und entfalten schmerzhaft-schöne Wahrnehmungs- und Denkfelder. Sie sind ästhetisch verlockend und theoretisch verwickelt, poetisch deutbar und politisch bewegend.

Obwohl in der globalisierten Welt erkennbar alles mit allem verflochten und wechselbedingt ist, es weder realräumlich noch ideell eindeutige oder richtige Positionen geben kann, beharren die meisten politischen und weltanschaulichen Parteien auf schlichte Opposition, Identität und Ideologie. Der Kampf um die Deutung und Konstruktion der Welt eskaliert und die eigene Weltdeutung wird zunehmend ideologisch totalitär – oder mit brutaler Gewalt durchgesetzt.

missing icons entziehen sich ideologischer Schließung. Sie verwehren Belehrung. Sie ziehen auf Abwege, nötigen zum Sprung aus der vorgespurten Bahn. Sie öffnen Bild-Zeit-Räume, in denen, wenn sie zünden, die Komplexität und Ambivalenz der Wirklichkeit, die nicht-eigene Meinung, das Fremde, Unerwünschte bis hin zum blind Verhassten, anders ausgehalten, gehört, gesehen und gedacht werden können. Auf eine Zukunft hin.

Andrea Knobloch + Ute Vorkoeper

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