Rolihlahla | Troublemaker | Unruhestifter

wettbewerbe

Rolihlahla | Troublemaker | Unruhestifter

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Mikroskulptur und öffentliche Fassung, Nelson-Mandela-Platz, Nürnberg, 2018/19

Rohdiamant, Acrylglas, Betonfundament, LED-Beleuchtung, 183 x 62 x 28 cm

1. Platz Kunstwettbewerb Nelson-Mandela-Platz, Bauamt Nürnberg, Entwurf: 2016, Realisierung: 2018/19

 

Rolihlahla = pulling the branch of a tree = troublemaker = Unruhestifter war der erste Vorname Nelson Mandelas. Unruhe stiftet auch das gleichnamige Kunstprojekt für den umgestalteten Nelson Mandela Platz in Nürnberg. Es beginnt mit der Suche nach einem Diamanten in Südafrika. Angekauft wird ein wertvoller, klarer Rohdiamant mit Einschlüssen, die für die Verarbeitung in lupenreine Brillanten störend und wertmindernd sind. Der Rohdiamant wird daraufhin in einen Acrylglasquader mit den Maßen Mandelas eingeschmolzen. In diesem Quader wird der jahrtausendealte Edelstein – tagsüber unscheinbar, nachts magisch beleuchtet – auf dem Platz aufgestellt und der Nürnberger Stadtgesellschaft überantwortet.

In Diamanten sind Spuren von Jahrmillionen Erdgeschichte eingelassen, in denen sie adamantem (gr. unbezwingbar) verdichtet entstanden sind. Für seine öffentliche Präsentation auf dem Nelson-Mandela-Platz wird der ausgewählte Rohdiamant in einen 183 x 62 x 28 cm großen, optisch klaren Acrylglasblock eingegossen. Das Kunstglas umfasst den Luftraum einer an Mandelas Körpermaßen orientierten, hochkant stehenden Box. Der atomare Aufbau von Acrylglas entspricht, wie der von Glas, vereinfachend gesagt, dem einer Flüssigkeit, so dass der Diamantkristall in einer vor der Kristallisation erstarrten Flüssigkeit schwimmt und von allen Seiten ansichtig ist.

Der Aufstellungsort wird unter Berücksichtigung der später entstehenden Trampelpfade quer durch die Rasenfläche  auf dem Nelson-Mandela-Platz gewählt. Mit der Aufstellung des 500 kg schweren Acrylglasquaders auf dem Platz wird der Diamant dann in die Verantwortung der Nürnberger Stadtgesellschaft und in die Hand der Bürger/innen übergeben.

Er zieht zum einen Kunstinteressierte und Schaulustige an den Galgenhof in die Südstadt, zum anderen Menschen, die ihn besitzen oder die Präsentation zerstören wollen. Der Diamant im Acrylblock provoziert ein Wechselspiel von respektvoller Annäherung und Begehren, Angriff und Abwehr der Angriffe. Es ist aufwändig, aber möglich, die durch Kratzen, Schaben oder Hämmern entstandenen Schäden an der Acrylglasummantelung auszubessern.

Der Diamant auf dem Platz ist ein nachhaltig wirksamer Rolihlahla, ein produktiver Unruhestifter. Die sich auf dem Acrylglasblock abzeichnenden Spuren spiegeln sinnbildlich die Konflikte bei der Formulierung, Auslegung und Durchsetzung universeller Menschenrechte und Werte wider. Sie sind nie final gegeben. Auch der Diamant ist als Wert abstrakt dabei einmalig und real. Er erscheint greifbar nah und bleibt doch unerreichbar. Sein Schutz ebenso wie der Erhalt seiner Sichtbarkeit und Wirksamkeit ist aufwändig und endet nie.