Europa. Besuch im Gehege

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Europa. Besuch im Gehege

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Komposition aus Verkehrsübungsplatz, Bildobjekt und Sound, TACHO Kreuzberg: Oase Verkehrsgarten, Berlin, 2016

Kurator: Christof Zwiener; realisiert im Rahmen des Project Space Festivals, Berlin

 

Der Verkehrsübungsplatz Oase ist eine aus der Zeit gefallene, unwirkliche, in Teilen verkleinerte und um sich selbst kreisende Welt, die durch einen Zaun vom umgebenden Stadtraum um das Kottbusser Tor abgetrennt ist. Durch Hissen einer geänderten Europafahne und Abspielen von laienhaften Versuchen, die Europa-Hymne auf dem Xylophon zu intonieren, wird die Oase zu einer begehbaren, surrealen Allegorie der Europäischen Union: Ein künstlich geschaffenes, umhegtes, gepflegtes Gebilde, dessen äußere Grenzen ebenso wie innere Entgrenzungen in der globalisierten Gegenwart prekär, strittig und gefährlich geworden sind.

Die gehisste Flagge ist kein Hoheitszeichen, kein wiedererkennbares Symbol. Die Flagge ist ein imaginärer Raum, in dem das symbolische Azur der EU-Fahne zum Himmelsbild wird und ihr vollkommener Sternenkreis als Konstruktion freiliegt. Das Fahnenbild ist nie einfach sichtbar, sondern entfaltet sich nur unter günstigen Bedingungen. Es ist abhängig vom herrschenden Wind.

Die sechzehn Takte des Schlussteils der 9. Sinfonie, mit denen Beethoven der ersten Strophe von Schillers „An die Freude“ ihre weltbekannte musikalische Fassung gab, erklingen als dünne Melodie. Unsicher werden sie auf einem Xylophon wieder und wieder eingeübt, alle Fehler und Neuansätze sind hörbar. Eindringlich hell tönt die Melodie mit all ihren Unterbrechungen, Dopplungen und Verzögerungen über den Verkehrsübungsplatz bis in den angrenzenden Stadtraum.